Die Buddhisten meinen, man solle die Lebenserfahrungen unpersönlich nehmen. Doch geschehen Dinge nicht aus gutem Grund und machen nicht die Erfahrungen unsere persönliche Geschichte aus?
Obwohl Religionen und spirituelle Lehren sich oft unterscheiden und trotzdem zum selben oder ähnlichem Ziel führen, geht es immer darum, wie diese Aussagen übermittelt oder verstanden werden. Ist der kulturelle Hintergrund nicht derselbe, so eröffnen sich Missverständnisse. Eure persönlichen Erfahrungen prägen euch und bilden eine Geschichte. Wie ihr damit umgeht, ist die eigentliche Frage. Lasst ihr sie anhaften und euch die Richtung dadurch vorschreiben?
Aus unserer Sicht verknüpft eure Persönlichkeit vergangene Erfahrungen gerne mit realen künftigen Erwartungen. Und vor allem nimmt sie immer alles persönlich und wertet die Erfahrung als unabwendbar. Gottgewollt, Schicksalsgegeben, So-bin-ich-halt. Tatsächlich ist es aber so, dass ihr keinesfalls Opfer eurer persönlichen Geschichte seid – ausser – und das ist gemeint im Buddhismus – ihr lasst sie an euch anhaften und überlasst ihr das Steuer.
Wenn ihr eure Erfahrungen unpersönlich betrachtet, nicht emotional, sondern mit beobachtender Haltung, so erkennt ihr einerseits Muster und andererseits eventuelles Fördern des Musters, durch Verhaltensreaktionen. Muster und Verhalten können jedoch jederzeit verändert werden.
Ein Beispiel zum Verständnis:
Du wurdest in vielen Partnerschaften belogen und betrogen. Und nehmen wir an, dass dies tatsächlich und objektiv so war.
Wenn du diese Erfahrungen persönlich betrachtest, also dich damit emotional verbindest, so könntest du dies als persönliche Geschichte wie folgt interpretieren:
- Es ist Schicksal, Karma, Gottgewollt, dass ich keine Partnerschaft haben kann
- Ich kann niemandem vertrauen und muss alles kontrollieren
- Niemand kann mich so lieben, wie ich bin
- Ich lasse mich auf keine Beziehung mehr ein, weil ich nur verletzt werde
- Und, und, und.
Diese Art Verbindung mit deiner Geschichte wird dich wie Leim an die Vergangenheit fesseln und an dir anhaften. Sie schreibt deine Geschichte als unabänderbar fest und verhindert, dass du dich weiterentwickeln kannst.
Wenn du dieselben Erfahrungen jedoch unpersönlich betrachtest, dir vorstellst es sei ein anderer Mensch, dem dies geschehen ist, so wirst du sehen können, dass sich hier ein Problem, ein Muster aufzeigt. Eines, das nicht DU bist, sondern dir passiert ist, und aus dem du dich befreien kannst. Falls es sich um ein massives Trauma handelt, mithilfe von professioneller psychologischer Hilfe.
Vielleicht musst du wieder lernen, zu vertrauen, dich um deine Selbstliebe kümmern, besser prüfen, mit wem du dich einlässt, dich bestimmter einbringen, Verletzungen als Teil der Liebe akzeptieren. Du kannst andere Menschen nicht ändern, nur dich selbst neu betrachten, um aus einem Muster auszusteigen und deine Geschichte und Zukunft neu zu schreiben.
Es gibt also tatsächlich eine persönliche Lebensgeschichte. Doch sie ist jederzeit veränderbar, sofern ihr sie nicht anhaften und über euch bestimmen lasst.

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