Warum ist Sexualität so häufig mit Macht und Gewalt gekoppelt?
Dafür gibt es verschiedene Gründe. Bevor wir jedoch auf die wichtigsten Aspekte eingehen, wollen wir festhalten, dass der Mensch sich in der Sexualität am offensten und verletzlichsten zeigt. Nur durch diese emotionale und/oder körperliche Hingabe ist Intimität möglich. Gleichzeitig kann gerade dieser Umstand zur Machtressource werden und in Machtmissbrauch auf sexueller, körperlicher und emotionaler Ebene führen.
In solchen Beziehungen wird Sexualität als Machtinstrument genutzt. Die Gründe dafür sind auf der individuellen Ebene vielfältig. Früher selbst erlebte Grenzverletzungen und Traumata wie auch Angst vor Abhängigkeit und Kontrollverlust oder mangelnde emotionale Beherrschung der Gefühle sind oft zu finden. Prallen diese Aspekte auf ein Gegenüber, das keine klaren Grenzen setzen oder sich als gleichwertig empfinden kann, das sich beschämt zurückzieht und emotional nicht präsent ist, sondern sich in Hoffnung verliert, so manifestiert sich die Beziehung in ein gewalttätiges Kontrollverhältnis.
Aber auch kulturell reichen die Wurzeln tief in die Vergangenheit hinein und wirken immer noch kollektiv und werden weitergegeben. Sexualität und der Körper – also das privateste und intimste Gut – wurden und werden häufig durch Religion, Gesetze, Moralvorstellungen und andere gesellschaftliche Strukturen bewertet und kontrolliert. Es ist noch keine hundert Jahre her, dass die Frau in der Ehe den Beischlaf nicht verweigern durfte. Dass Männer sich nur zu Frauen legen durften. Dass die Partner einander als Besitz oder Versorger betrachteten.
Aber auch die weltlichen Machtgefüge spielen ins Private hinein. Viele von euch fühlen sich machtlos und kontrolliert in der Arbeit und im öffentlichen Leben. Der einzige Bereich, sich dominant, eigenständig und unabhängig zu fühlen, scheint in der Beziehung möglich zu sein. Nur ist dies eine Kompensation und keine echte Beziehung. Dies gilt für Frauen wie auch für Männer und queere Menschen. Der Druck, stark, dominant und männlich zu sein, kann zu körperlicher Gewalt führen. Der Druck, anpassungsfähig, empfindend und weiblich zu sein, kann zu emotional-manipulativem Missbrauch führen. Der Druck, das eine wie das andere und alle Aspekte grundsätzlich zu vermeiden führt in eine innere Leere.
Es scheint uns wichtig, dass ihr nebst dem Feld der Sexualität und des Körpers in Bezug auf Beziehungen grundsätzlichere Überlegungen angeht. Ob ihr in Beziehung seid oder nicht, wie auch immer ihr eure Intimität lebt: Es geht immer darum, euch selbst zu sein und euch auf gleichwertiger Ebene zu begegnen. Nähe soll sich immer sicher anfühlen.
Wo dies nicht der Fall ist, sei dies auf sexueller oder emotionaler Ebene, handelt es sich nicht um eine Beziehung, sondern um ein Kontrollverhältnis, das aufzulösen ganz im Sinne eurer Seele ist.

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